Die Pracht des Herbstes in Tennessee

Spektakuläre Laubfärbung, leuchtend weiße Baumwollfelder, Kürbisse, der Duft von heißem Apfelmost und das große amerikanische Treffen der Geschichtenerzähler: Herbst in Tennessee berauscht die Sinne.

Wie soll man den Zeitpunkt einer Herbstreise in die USA rechtzeitig planen, wenn das Laub sich vielleicht schon Anfang Oktober, womöglich aber auch erst gegen Monatsende verfärbt? Die Natur hält sich an keinen Urlaubsplan. Im Nationalpark Great Smoky Mountains aber ist mit ziemlicher Sicherheit den ganzen Monat die rechte Zeit. Je nach Höhenlage bildet nämlich der meistbesuchte Nationalpark der USA auf der Grenze von Tennessee und North Carolina sämtliche Klimazonen der amerikanischen Ostküste von Georgia bis Kanada ab. Irgendwo in dem 2000 Meter hohen Gebirge leuchtet von Ende September bis Anfang November immer der Herbst: mit demselben Farbenrausch, wie man ihn zu Recht Neuengland zuschreibt, denn auch seine Pflanzenwelt findet sich im Great Smoky Mountains National Park vollständig wieder.

In den Ferienorten Gatlinburg, Pigeon Forge, Sevierville und Townsend am westlichen Rand des Nationalparks finden sich günstige Hotelzimmer und Ferienhäuser dazu – und ein volles Herbstprogramm der Unterhaltung. So feiert Dolly Partons Themenpark Dollywood in Pigeon Forge vom 28. September bis 3. November sein Harvest Festival. Neben Achterbahnen, Musikbühnen und Vorführungen alter Handwerke gibt es in der kristallklaren kühlen Herbstluft dann Leckereien aus Kürbissen, Düfte des Herbstes von heißem Apple Cider bis zu Pumpkin Pie und täglich Konzerte des „Southern Gospel Jubilee“ rund um die mitreißende religiöse Musik der amerikanischen Südstaaten.

Ebenfalls im Osten von Tennessee in Jonesborough treffen sich vom 5. bis 7. Oktober die Geschichtenerzähler der USA zum National Storytelling Festival. In der ältesten Stadt des Staates hält das International Storytelling Center mit seinem Museum und dieser großen jährlichen Zusammenkunft die Sagen und Märchen Nordamerikas lebendig.

Südlich der Smoky Mountains verwandeln sich die Felsengärten Rock City Garden auf dem Lookout Mountain, dem Hausberg von Chattanooga , jedes Oktober-Wochenende in einen Biergarten: zum Rocktoberfest mit leckerem Draft Beer aus der Stadt am Tennessee River, Lederhosen, Blasmusik und Sauerkraut.

Eine Stunde Autofahrt westlich der Great Smoky Mountains zeigt das Museum of Appalachia die Pionier-Kultur des Apalachengebirges. In diesem Freilichtmuseum stehen viele Blockhäuser versammelt – auch dasjenige, in dem Mark Twain angeblich gezeugt wurde. Unzählige Werkzeuge der alten Farmer sind zu sehen, Esel und Hühner laufen herum und zu den Oktober-Wochenenden gibt es kleine Konzerte und Vorführungen alter Handwerke.

Am 27. Oktober erwartet das Städtchen Lynchburg in der hügeligen Mitte von Tennessee mehr als 20.000 Besucher zu seinem Jack Daniel World Championship Invitational Barbecue. Diese Meisterschaft des Grillens steigt dieses Jahr zum 30. Mal.

Die Westgrenze von Tennessee bildet der Mississippi River mit Memphis an seinem Ufer. In diesem Jahr feiert die Hafenstadt ihr jüngstes Musikfestival zum zweiten Mal. Mehr als 20 Bands bringt das Mempho Music Festival auf die Bühne, um die reiche Musikgeschichte der Stadt vom Blues über Elvis bis zum Soul zu zelebrieren. An der Spitze des Line-up stehen die aktuellen Acts Beck, Post Malone und Phoenix. Auftreten werden aber auch Legenden wie The Bar Kays und William Bell, beide Altstars der Royal Studios in Memphis. Schauplatz ist der große Park Shelby Farms mit seinen Rad- und Wanderwegen sowie Ziplines – und mit etwas Glück dem ersten Herbstlaub.

Rund um Memphis breitet sich die Großlandschaft des Mississippi Delta aus, nicht zu verwechseln mit dem Flussdelta sechs Autostunden weiter südlich. Beim Delta in Tennessee handelt es sich um ehemaliges Schwemmland des Mississippi: flaches, sehr fruchtbares Ackerland. Hier gedeiht die Baumwolle. Die Farmer versuchen, bis Thanksgiving die Ernte einzubringen; in diesem Jahr fällt das große amerikanische Familienfest auf den 22. November. Schon ab Mitte September öffnen die Pflanzen ihre Kapseln und bringen die watteartige Frucht zum Vorschein, leuchtend weiß erstrecken sich dann die Felder bis zum Horizont. Das West Tennessee Delta Heritage Center in Brownsville informiert über den Anbau dieser großen Kulturpflanze der Südstaaten. Das Museum steht inmitten der Baumwolläcker und umfasst auch das einzige Tina Turner Museum. Die Musikdiva wuchs ganz in der Nähe auf: in Nutbush, Tennessee, deren „city limits“ sie besungen hat.

Fast jeder zehnte Mann und jede hundertste Frau in Mitteleuropa leidet von Geburt an unter einer Rot-Grün-Sehschwäche und sieht das bunte Herbstlaub deshalb eher grünlich-braun. Für sie, landläufig als „farbenblind“ bezeichnet, hat das Tourismusministerium von Tennessee im Herbst 2017 drei spezielle Ferngläser aufgestellt: mit speziellen Filtern, die sie erstmals die volle Pracht des Herbstes erleben lassen. Diese „The Color Blind-less Viewers“ stehen alle im gebirgigen Osten des Staates: in Ober-Gatlinburg am Rande der Smoky Mountains, am Aussichtspunkt East Rim Overlook des Naturschutzgebiets Big South Fork National River and Recreation Area und im Unicoi County am Aussichtspunkt der Autobahn Interstate 26 westwärts nahe Johnson City. Bis zum Herbst sollen zehn weitere dieser Ferngläser hinzukommen.