Kunst aus Essen nach Memphis

Das große Museum der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in Memphis hat erstmals ein Kunstwerk aus Deutschland in seine ständige Sammlung aufgenommen. Das „Neue Sternenbanner“ des Essener Künstlers Thomas Rother zeigt eine verfremdete amerikanische Fahne mit einem grafischen Portrait Dr. Martin Luther Kings von einer schwedischen Briefmarke.

Das National Civil Rights Museum steht seit 1991 an der Stelle in Memphis, an der Dr. Martin Luther King am 4. April 1968 ermordet wurde. Der Balkon des ehemaligen Lorraine Motel, auf dem die Kugel den Bürgerrechtsführer und Friedensnobelpreisträger traf, ist ebenso erhalten geblieben wie das Zimmer 306, in dem er seine letzte Nacht verbrachte. Rundherum in einem Neubau gruppiert sich ein hochmodernes Museum. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung selbst hat das Museum als ihren wichtigsten Ort des Erinnerns an „MLK“ und des Kampfes für die Bürger- und Menschenrechte errichtet.

Thomas Rother, der am 6. Mai seinen 83. Geburtstag feierte, arbeitet im Kunstschacht Zollverein in Essen auf dem Gelände der Zeche Zollverein, einem Welterbe der UNESCO. Sein Bild „Neues Sternenbanner“, in Mischtechnik im Jahr 2015 entstanden, wurde am 15. Mai in Memphis von seiner eigens aus Berlin angereisten Enkelin Yolanda Rother feierlich an das Museum überreicht. Thomas Rother war es wichtig, „dass die junge Generation diese Botschaft für Frieden und Gleichberechtigung weiterträgt“. Yolanda Rother sagte, „Dr. Martin Luther King begleitet meinen Großvater seit vielen, vielen Jahren.“ Zum Beleg brachte sie ein Original der Single-Schallplatte mit dem Lied „Ich habe einen Traum“ mit, das Thomas Rother unmittelbar nach dem Attentat 1968 mit dem Duisburger Komponisten Rolf Hucklenbruch veröffentlichte und das seinerzeit zu einem Hit der deutschen Kirchenmusik wurde. Auch diese Schallplatte gehört jetzt zur Sammlung des Museums.

Das National Civil Rights Museum erhält viele Angebote von Künstlern, die ihre Arbeiten spenden möchten. Nur sehr wenige dieser Kunstwerke schaffen es in die ständige Sammlung. Thomas Rothers Bild durchlief einen intensiven Begutachtungsprozess, bevor es als erste Arbeit aus Deutschland Eingang in die Sammlung fand. 

Die Kuratorin Dr. Noelle Trent sagte bei der Übergabe: „Was in unsere Sammlung kommt, bleibt auch dort.“ Das Museum sei beeindruckt nicht nur von der künstlerischen Qualität der Arbeit Thomas Rothers, sondern auch von seinem Eintreten für Menschenrechte, Frieden und Gerechtigkeit über viele Jahrzehnte. Die Museumsdirektorin Terri Lee Freeman sagte, „dieses Bild gibt Zeugnis von der internationalen Wirkung des Lebenswerks Dr. Martin Luther Kings.“ Es sei auch deshalb von Bedeutung, „weil die Menschen- und Bürgerrechte nicht nur in den USA, sondern überall wichtig sind und ständig neu erkämpft werden müssen.“

Das National Civil Rights Museum schaltete die Übergabe live auf Facebook; das Video ist auf der Facebook-Seite des Museums zu sehen. Zu den Förderern der Schenkung gehörten neben dem spendenden Künstler und dem annehmenden Museum selbst auch die Bundesrepublik Deutschland vertreten durch die Generalkonsulin Dr. Heike Fuller in Atlanta, United Airlines, das Verkehrsbüro Memphis Travel/Memphis & Mississippi und das Tourismusministerium des Staates Tennessee.

Das National Civil Rights Museum ist täglich außer Dienstag von 9.00 bis 17.00 Uhrgeöffnet. Erwachsene zahlen 16 Dollar Eintritt, Kinder und Jugendliche sowie Senioren weniger.